Fakten und Mythen über Öko-Stoffe

Liegt Ihnen das Wohlergehen unseres Planeten am Herzen und spielt die Ökologie in Ihrem Alltag eine große Rolle? Dann sind Sie sicher auf der Suche nach Öko-Stoffen, mit denen Sie Ihren Schrank und Ihr Zuhause ausstatten können. Aber welcher Stoff ist umweltfreundlich und ist Baumwolle wirklich so Öko, wie immer berichtet wird?

Der Mythos des Öko-Stoffes

Gleich zu Beginn sollte man erwähnen, dass es keinen perfekten umweltfreundlichen Stoff gibt, dessen Produktionsprozess keine Auswirkungen auf die Umwelt hat. Für den Anbau von Naturfasern, den Lieblingen der Öko-Mode, werden riesige Mengen an Wasser verbraucht, die Pflanzen selbst werden dabei mit Pestiziden besprüht, die das Ökosystem belasten. Synthetische Fasern hingegen verbrauchen jedes Jahr etliche Millionen von Öltanks. Was kann man also tun, um die Umwelt zu schützen?

Verschiedene Textilien und ihre Auswirkungen auf die Umwelt

Um den besten Stoff für unseren Planeten auszuwählen, ist es wichtig, die Rohstoffe, aus denen Textilien hergestellt werden, und den Produktionsprozess selbst genauer zu betrachten. Kein Textilstoff wird in einem Vakuum hergestellt, die Textilindustrie selbst steht immer noch an der Spitze der globalen Umweltsünder. Deshalb ist es für die Wahl des richtigen umweltfreundlichen Textilstoffes wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, wie bestimmte Textilien hergestellt werden und welche Auswirkungen sie auf die Umwelt haben.

Polyester

Polyester hat in der Mode keinen guten Ruf. Wir verbinden damit preiswerte, eher billig aussehende Kleidungsstücke, minderwertige Kleider und vor allem Kleidung, die die Haut nicht atmen lässt. Dennoch ist Polyester der am weitesten verbreitete Textilstoff und macht bis zu 80 % der gesamten Produktion der synthetischen Stoffe aus. Polyester ist relativ einfach und günstig in der Herstellung, deshalb wird es von Fast Fashion-Marken so gerne verwendet.

Welche Auswirkungen hat Polyester auf die Umwelt?

Polyester wird aus den nicht erneuerbaren und begrenzten Ressourcen der Erde, d. h. aus fossilen Gasen, hergestellt. Sehr kurz gesagt: Polyester ist ein Kunststoff, der durch den Polymerisationsprozess zu Fasern wird. Der Prozess der Kunststoffherstellung ist leider eng mit der Kraftstoffindustrie verbunden, die einen enormen Einfluss auf den Klimawandel hat. Polyester ist wie andere Kunstfasern nicht so leicht biologisch abbaubar, für seine Herstellung wird zudem viel mehr Energie benötigt als für Naturfasern. Und als ob das nicht genug wäre, entstehen bei der Verwendung von synthetischen Stoffen auch noch erhebliche Mengen an Mikrofasern, die sich von ihnen lösen. Ein großer Teil wird beim Waschen freigesetzt – Studien zeigen, dass bei einem Waschgang zwischen 250.000 und 700.000 Fasern freigesetzt werden. All diese mikroskopisch kleinen Plastikteilchen landen schließlich in den Ozeanen.

Wie pflegt man Polyester?

Polyester mag vielleicht günstig sein, doch seine Auswirkungen auf die Umwelt sind erheblich. Wenn Sie sich also für Kleidung aus Polyester oder Acryl entscheiden, sollten Sie diese wie jede andere Kleidung auch pflegen. Zum Waschen von Polyestertextilien können Sie einen Wäschesack verwenden, der die Mikrofasern nicht durchlässt. Waschen Sie Ihre Polyesterkleidung nach Möglichkeit mit der Hand und trocknen Sie sie nicht im Wäschetrockner – Maschinenwäsche ist nämlich die Hauptursache für die Verbreitung von Mikrofasern.

Viskose

Nur wenige Menschen wissen, dass Viskose ein synthetischer Stoff ist. Obwohl sie aus einem natürlichen Rohstoff, nämlich aus Zellulose hergestellt wird, entsteht sie in einem chemischen Verfahren, das nichts mit Natur und Ökologie zu tun hat. Viskose ist unter verschiedenen Bezeichnungen zu finden – manchmal wird sie auch als Bambus, Modal, Rayon oder Tencel bezeichnet. Alle diese Produkte werden aus chemisch aufgelöstem Buchen-, Eukalyptus- oder Bambusholz hergestellt. Aus dem so gewonnenen Zellstoff entsteht Zellulosegarn, das anschließend zu glatten, angenehmen, leicht fließenden Stoffen verarbeitet wird, die oft als billigerer Ersatz für Seide dienen.

Viskose, Rayon, Modal oder Lyocell?

Viskose in Kleidungsstücken ist unter vielen verschiedenen Namen zu finden. Auf den Etiketten europäischer Hersteller finden Sie in der Regel Viskose, auf den amerikanischen Labels Rayon, obwohl es sich um genau denselben Rohstoff handelt. Manchmal stößt man auf den Namen Modal – dieser ist besonders erwähnenswert. Seine Herstellung verbraucht mehr Energie als die herkömmliche Viskose, allerdings ist Modal haltbarer und widerstandsfähiger gegen Maschinenwäsche. Modal wird größtenteils von dem österreichischen Unternehmen Lenzing, einem Riesen auf dem Viskosemarkt, hergestellt.

Ist Viskose ein umweltfreundliches Material?

Viskose kann kaum als umweltfreundliches Material bezeichnen, da bei ihrer Herstellung große Mengen an Energieressourcen verbraucht werden. Die Viskoseproduktion trägt mehr zur globalen Erwärmung bei als die Herstellung von Polyester. Auch die Viskoseherstellung ist alles andere als wirtschaftlich – bis zu 70 % des verarbeiteten Holzes gehen bei der Herstellung von Zellulosefasern verloren. Natürlich versuchen auch Viskosehersteller, die Produktion nachhaltiger zu machen. Der Konzern Lenzing produziert eine umweltfreundliche Viskosesorte, die als EcoVero bekannt ist. Die umweltfreundlichste Variante der Viskose ist jedoch nach wie vor Lyocell, auch bekannt als Tencel. Tencel wird aus schnell wachsenden Eukalyptusbäumen hergestellt, bei der Herstellung selbst werden keine schädlichen Chemikalien in die Umwelt freigesetzt.

Leinen und Hanf

Leinen, ein rauer und recht knittriger Textilstoff, wird aus der gleichnamigen Pflanze gewonnen und gehört zur Gruppe der Textilien aus Bastfasern. Leinen gilt nicht als besonders beliebt und macht nur 1 % der gesamten Textilindustrie aus. Hanf wächst relativ schnell, er braucht auch keine chemischen Verstärker.

Ist Leinen ein umweltfreundlicher Stoff?

Sowohl Leinen als auch Hanf sind empfehlenswerte Textilien für diejenigen, die sich mit umweltfreundlichen Stoffen umgeben möchten. Leinen ist jedoch keine häufig verwendete Faser – in der Regel finden Sie in den Angeboten der Bekleidungsmarken Kleidungsstücke mit Leinenzusatz. Kleidung aus 100 % Leinen oder Hanf hat jedoch einen großen Nachteil: Sie knittert stark beim Tragen.

Baumwolle

Die weithin bekannte und beliebte Baumwolle ist eine reine Naturfaser und macht 24,5 % der weltweiten Textilproduktion aus. Der Baumwollanbau selbst ist jedoch nicht ganz einfach, da die Faser sehr empfindlich auf Überschwemmungen, Trockenheit, Schädlinge oder Unkraut reagiert. Viele Erzeuger verwenden starke Pestizide und chemische Düngemittel. Viele der beim Baumwollanbau verwendeten Chemikalien haben schädliche Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen.

Baumwollanbau und Ökologie

Neben rund 220.000 Tonnen Pestiziden und mehr als 8 Millionen Tonnen Düngemitteln pro Jahr verbraucht der Baumwollanbau erhebliche Mengen an Wasser. Mehr als 8.000 Liter Wasser werden benötigt, um genug Rohmaterial für ein T-Shirt zu produzieren. Eine ökologische Alternative zur konventionellen Baumwolle ist die Bio-Baumwolle, die wesentlich weniger Wasser verbraucht und bei der keine Chemikalien oder Pestizide verwendet werden. Bio-Baumwollpflanzen sind frei von GVO und völlig sicher für die Umwelt und die Menschen, die in der Nachbarschaft der Plantage leben.

Achten Sie auf diese Öko-Textilien!

Achten Sie bei Ihrer Suche nach organischen Stoffen unbedingt auf die Etiketten und Zertifizierungen der Textilien. Wählen Sie zu Ihrer Sicherheit und zur Schonung der Umwelt ungiftige und chemikalienfreie Stoffe. Achten Sie auf das OEKO-TEX Standard 100-Label auf dem Textilstoff – diese Zertifizierung garantiert Ihnen, dass das Material auf die 100 für den Menschen schädlichsten Chemikalien getestet wurde. Wenn Sie sich für Polyester, Nylon, Wolle, Kaschmir oder Baumwolle entscheiden, achten Sie auf das RCS-Zeichen (Recycled Claim Standard). Recycelte Materialien verbrauchen weniger Energie und andere Ressourcen im Herstellungsprozess. Bei Naturfasern wie Leinen, Baumwolle, Wolle oder Seide legen Sie Wert auf die Zertifizierung, die bestätigt, dass sie ohne Chemikalien und gentechnisch veränderte Organismen angebaut wurden, d. h. die ein GOTS-Siegel tragen.

Paulina

Content writer, amateur photographer, sewist after work.

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